Wissenswertes

Liguriens Mimosen



Es ist Winter in Ligurien, aber die Sonne scheint unverdrossen, und überall an den Hängen blühen die knallgelben, zartblütigen Mimosen. Während die Welt nördlich der Alpen vorwiegend in Grautönen erscheint, herrschen an der Riviera auch in den mil­den Wintertagen bunte Farben vor: Unter blauem Himmel setzt das Gelb der Mimosen Akzente, einer Pflanze, die ihren Lebensraum in Ligurien gefunden hat, so sehr, dass sie zu einem ihrer Symbole geworden ist.
Strikt genommen handelt es sich bei der Pflanze nicht um eine Mimose. Die rich­tige Mimose (Mimosa pudica) ist ein tropischer Halbstrauch aus Südamerika mit rosa Blüten. Die Mimose rea­giert auf kleinste Berührungen und Er­schüt­te­run­gen sehr schnell, indem sie ihre Fie­der­blät­ter zu­sam­men­klappt. Das faszinierte die Men­schen schon immer, und deshalb bekam die Pflanze den Beinamen "pudica", die Schüchterne. Und wer ähnlich wie sie reagiert, ist eben eine Mimose.
Die gelb blühende Pflanze wird auch als „Falsche Mimose“ bezeichnet, denn sie gehört zur großen Gattung der Akazien: Silber-Akazie (Acacia dealbata). Die Blü­tenstände ähneln der richtigen Mimose und die Blätter reagieren ein wenig ähnlich mimosenhaft. In der Tat gehören echte und falsche Mimose zur selben Pflan­zen­fa­milie der Mimo­sen­ge­wächse. Aber die Silber-Akazie ist eben ein Baum und stammt von einem anderen Kontinent, nämlich aus Tasmanien. Sie kam im 19. Jahr­hundert in Ligurien an, wo sie als Zierpflanze kultiviert wird.

Festa della donna
Anfang März, genauer gesagt am 8. März, be­stim­men die Mimosen mit ihrem Gelb und ihrem Duft in ganz Italien den „Tag der Frauen“, „la Festa della Donna“. Die italienischen Männer kaufen dann Millionen Zweige der falschen Mimose und schenken sie ihren Frauen.
Der „Tag der Frauen“, auch Internationaler Frau­en­tag bzw. Weltfrauentag genannt, entstand als Ini­tiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleich­be­rech­ti­gung. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert. In Italien wurde 1946 die Mimose zum Blumensymbol des Frauentages aus­er­koren. Dies geht zurück auf eine Idee von Teresa Noce, Rita Montagnana und Teresa Mattei, die die Ver­wendung von Mimosen vor­schlugen, weil diese billig und für alle zugänglich waren, im Ge­gen­satz zu den Veil­chen, die bei diesem Fest in vielen anderen Ländern verschenkt wurden, aber als zu teuer betrachtet wurden für ein Fest, das tra­di­tio­nell als proletarisch galt.

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Über 90 % der gelben Frühlingsboten Italiens wer­den in Ligurien produziert und auf dem Blumen­markt von San Remo verkauft. Für die Region sind die Mi­mo­sen, die eigentlich Akazien sind, von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. 50 Hektar sind im Hin­ter­land von Bordighera und Seborga mit Mimosen bepflanzt – ein zau­ber­hafter Anblick im Februar. Mehr als 1600 Produzenten betreiben in Gesamt-Ligurien den Anbau.
Keine Frage, dass sich die Mimosen in den Tagen vor dem „Fest der Frau“ be­sonders gut verkaufen. In dieser Zeit sind dann vermehrt Pflanzendiebe un­ter­wegs, um Mimosen für den baldigen Verkauf zu horten. Dann fah­ren die Ca­ra­bi­nieri-Pa­trouillen in die gefährdeten Gebiete, insbesondere nachts. Auf den Höhen hinter Bordighera sind die Diebe besonders aktiv.
Jedes Jahr werden am 8. März Tausende von Mi­mo­sen­sträußen von der Polizei beschlag­nahmt, die von il­le­ga­len Händ­lern auf der Straße feilgeboten wer­den.

Sagra della Mimosa
In Anbetracht der gelben Pracht, die man in Ligurien im Februar und im März erlebt, braucht man sich nicht zu wundern, dass jedes Jahr im ligurischen Pieve Ligure ein einwöchiges Festival der Mi­mo­se (Sagra della Mimosa) stattfindet. Das Programm umfasst sogar ein „Gelbes Rennen“ – ein 11 Kilometer langes Rennen, bei dem die Läufer ein gelbes Trikot tragen. Um 12. Uhr werden dann die Mimosen feierlich gesegnet, während die sen­si­blen Pflanzen auf dem Platz San Michele verkauft werden. Am Nachmittag ziehen üppig mit den gelben Blüten geschmückte Festwagen durch die Stadt.
 
 
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