Wissenswertes

Le maggiorate



Der Begriff „maggiorata“ (Mehrzahl „mag­gio­rate“), der in der italienischen Sprache für eine kurven­reiche, mit weiblichen Attributen reichlich gesegnete Frau steht, stammt aus den 1950er Jahren, ur­sprüng­lich um Schauspie­le­rin­nen zu bezeichnen, die we­ni­ger mit ihren schau­spie­le­ri­schen Qua­li­täten über­zeug­ten als mit ihrer prallen Weiblichkeit.
Viele der auf diese Weise bekannt gewordenen Schauspielerinnen waren unter den Gewinnerinnen oder gut Platzierten des nationalen Schönheits­wett­be­werb Miss Italia rekrutiert worden, darunter die Dritte von 1947, Gina Lollobrigida und Silvana Mangano, die ebenfalls 1947 kandidiert hatte.
Gina Lollobrigida
Der Begriff selbst wurde von Vittorio de Sica ein­ge­führt, der in einer Episode des Films „Altri tempi“ (1952) von Alessandro Blasetti, in der Rolle eines Straf­ver­tei­digers die von Gina Lollobrigida inter­pretierte Person als „maggio­rata fisica“ (phy­sisch Überbegabte) bezeichnet in Ent­ge­gen­stel­lung zur Be­zeich­nung „minorata psichica“ (psychisch Minderbegabte), die ihr zuge­schrie­ben worden war.

Il postino Der Zauber von Malèna
Il postino [DVD] Der Zauber von Malena [DVD]

Der Begriff bezieht sich speziell auf den üppigen Busen, aber genauso auch auf die nicht zu schma­len, wohl gerundeten Hüften. Er wird bis heute noch dazu verwendet, um eine körperlich mit erotischen Reizen wohl ausgestattete Frau zu bezeichnen.
Sophia Scicolone, später als Sophia Loren bekannt, die beim Schönheits­wett­bewerb zu „Miss Rom" Zweite wurde, stand eine Zeit lang im Konkurrenz­ver­hält­nis zu Gina Lollobrigida, dem anderen Sex­symbol der damaligen Zeit.
Sophia Loren
Die goldene Zeit der „maggiorate“ war die, die in den 1950er Jahren begann und bis ans Ende des folgende Jahrzehnts ging, die Zeit des italienischen Wirt­schafts­wun­ders, also. Die im weltberühmten Film „La dolce vita" von Federico Fellini beim Baden in der Fontana die Trevi (dem Trevi-Brunnen) ver­ewigte schwedische Filmdiva Anita Ekberg wurde zum Symbol dieser Epoche.
Anita Eckberg
Gegen Ende de 1960er Jahre wich der Frauentyp der „maggiorata“ einem an­deren Typ von Frau, einem ausgesprochen schlanken, manchmal auch über­mä­ßig mageren Typ (mit Twiggy als klassischem Bei­spiel), der im Laufe der Zeit zum Erfolgstyp des „Models" führen würde. Es ist interessant, zu be­mer­ken, dass diese Änderungen in den Formen der „idealen Frau" mit dem Über­gang von den Jahren des Wirt­schafts­booms zu jenen der Ölkrise überein­stimm­te.
Claudia Cardinale
In den 1970er und 1980er Jahren beschränkten sich die Erscheinungen der „maggiorate“ (zumindest im Kino) auf die Filme der sogennanten „commedia erotica italiana“ (Edwige Fenech, Carmen Russo, Laura Antonelli, um einige zu nennen). Laura Anto­nelli spielte in zahlreichen dieser leichten Sex-Komö­dien wie Venus im Pelz (1969), Das nackte Cello (1971), Malizia (1973) und Sesso matto (1973) und galt in den 1970er Jahren als Nach­fol­ge­rin der ita­lie­ni­schen Lein­wand­diven Sophia Loren und Gina Lollobrigida.
In den 1990er Jahre kamen die „maggiorate“ wieder in Mode, mit Schau­spie­le­rinnen wie Sabrina Ferilli und Maria Grazia Cucinotta, gerade als man in der Welt der Mode Models feierte, die eindeutige Zeichen von Bulimie und Mager­sucht aufwiesen. Dieses Comeback der „maggiorata“ war teilweise erleichtert durch die immer grö­ße­re Verbreitung der plastischen Chirurgie, die in vielen Fällen Brustvergrößerungen durch Implantate.
Maria Grazia Cucinotta wurde durch den 1994 entstandenen und für mehrere Oscars no­mi­nierte Film „Il Postino" („Der Postmann“) bekannt, in dem sie die an­ge­be­tete Frau des Protagonisten spielte. Einem größerem internationalen Publikum wurde Maria Grazia Cucinotta im Jahr 1999 bekannt durch ihren Auftritt in dem James-Bond-Film „Die Welt ist nicht genug„.
Maria Grazia Cucinotta
Wie eine Göttin spaziert Monica Bellucci als Malena (im gleichnamigen Film von Giuseppe Tor­natore) durch den Ort. Ein Symbol der Weiblichkeit, begeh­renswert schön, ein Blickfang für alle Männer, ob jung oder alt, verheiratet oder ledig. Eine stolze „maggiorata“ des Jahres 2000.
Monica Bellucci
Sabrina Ferilli (Jahrgang 1964) ist eine in Ita­lien sehr be­lieb­te Film- und Thea­ter­schau­spie­lerin. Die dunkelhaarige Ferilli, deren Kinokarriere Mitte der 1980er Jahre begann, ist eine klassische „maggiorata“, wie einst Gina Lollogrigida und Sophia Loren.
Sabrina Ferilli
 
 
Der Zauber von Malèna
Der Zauber von Malena [DVD]
Die Frau vom Fluss - mit Sophia Loren (Filmjuwelen)
Die Frau vom Fluss - mit Sophia Loren (Filmjuwelen)
Bitterer Reis