Landschaften/ Orte

Wandmalerei in Dozza
 


Dozza ist eine entzückende kleine Gemeinde in der Provinz Bologna, in der Region Emilia Romagna. Dozza gilt als eine der charakteristischsten mit­tel­alterlichen Ortschaften des toskanisch-ro­ma­gno­li­schen Apennins, nicht nur wegen ihres Erhal­tungs­zu­stands sondern auch wegen der Landschaft, in der sie ein­ge­bet­tet ist.
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Von der imposanten, den historischen Stadt­kern über­ra­gen­den Rocca Sforzesca, der Burg der Sforzas, hat man einen herrlichen Aus­blick auf sanfte Hügel und Weinstöcke. Erlesen DOCG-Weine wie der Trebbiano, der Sangiovese und der be­rühmte Albana werden hier erzeugt.
Rocca Sforzesca
Dozza ist einzigartig. Denn die Kleinstadt beherbergt alle zwei Jahre die Ver­an­staltung Biennale del Muro Dipinto (wörtlich: Biennale der bemal­ten Wand), bei der bekannte inländische und aus­län­dische Künstler dauer­hafte Kunstwerke schaffen, indem sie die Häuserfronten bemalen.
In den Räumlichkeiten der Rocca
1960 war Dozza noch eine fast vergessene Klein­stadt, un­be­kannt, abseits der großen Kom­mu­ni­ka­tions­we­ge gelegen, und deshalb völlig ohne Tou­ris­mus. In jenem Jahr wechselte die Rocca Sforzesca, bis dahin die Privatresidenz der Mark­grä­fe Mal­vezzi-Campeggi, den Eigentümer.

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Die Gemeinde Dozza wurde ihr neuer Besitzer und nach einer angemessenen Restaurierung wurde die Rocca für das Publikum geöffnet.
In den Gassen von Dozza
Es stellte sich die Frage, wie man Dozza auch au­ßerhalb der Region bekannt machen könnte, um nicht nur den lokalen Fremdenverkehr anzukurbeln. Anziehungspunkte gab es genügend. Nicht nur das Aushängeschild der Rocca mit ihrer reichhaltigen Zimmerausstattung, den prächtigen Wandteppichen und der Gemäldegalerie, sondern auch weitere Sehenswürdigkeit, wie die Pfarrkirche, in der das Gemälde „Madonna col Bambino" (1492) von Marco Palmezzano zu sehen ist.
Torbogen der Uhr und Kirche Mariä Himmelfahrt
Aber vor allem ist der mittelalterliche Ort selbst mit seinen kleinen Gassen, alten Steine und Torbögen faszinierend. Nicht zuletzt der zum Verbleib ein­ladende Hauptplatz unmittelbar vor dem Kastell.
Wandmalerei von Fernando di Masi (La natura e l'uva)
In jenen Jahren waren Malerei-Veranstaltungen und -Wettbewerbe sehr ver­breitet in der Gegend, und es gab kaum ein Jahrmarkt oder ein Dorffest, bei dem man keine Maler vor ihren Staffeleien sehen konnte. Dozza musste also etwas völlig Neues schaffen und „erfand" die „Bemalte Wand“, „il muro dipin­to„. Die erste Ausgabe der Veranstaltung wurde, trotz des Regens, ein Erfolg.
Wandbild von Manuel Ruiz Pipo
"Muro bagnato, muro fortunato" (nasse Wand, glückliche Wand): Niemals hat­te sich ein Sprichwort als treffender erwiesen. Es folgten weitere, zu­nächst jährlich stattfindende, sehr erfolgreiche Ausgaben der Veranstaltung in den Jahren 1961, 1962, 1963 und 1964. Der „Muro Dipinto“ brachte dem kleinen Ort nicht nur enorme Bekanntheit sondern vor allem eine rasant wachsende touristische Entwicklung.
Wandmalerei von Karin Andersen
1964 entschloss sich das Fremdenverkehrsamt für einen Qualitätssprung und wandelte mit der Un­ter­stützung bekannter Kunstkritiker und Journa­lis­ten den „Muro dipinto“ in eine BIENNALE MODERNER KUNST um. Seitdem haben be­kannte nationale und internationale Künstler (wie Matta, Saetti, Sassu, Puri­fi­cato, Brindisi, Sughi, usw...) die Häu­ser­fas­saden von Dozza mit großen Wand­malereien verschönert und somit aus Dozza die „Hauptstadt der modernen Wandmalerei“ gemacht.
Wandmalerei von Paolo Meneghesso
Die Biennalen der Jahre 1965, 1967, 1969 und 1971 liefen (wie auch die ers­ten fünf Ausgaben) als „Wett­bewerb" ab: Jury, Rangliste mit differnzier­ten Prei­sen. 1973 wurde diese Vorgangsweise abgeschafft und die Künstler gleichgestellt - mit gleichen Auszeichnungen und Preisen für alle.
Gruppo folkloristico dozzese
 

Dozza Genua und Ligurien
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Von 1962 an (bis heute noch) müssen die auf­ge­nom­menen Künstler den Ver­anstaltern eine Entwurfsskizze ihrer geplanten Werke liefern. Auf diese Weise konnte man im Laufe der Jahre in den Räumen der Rocca eine außer­ge­wöhn­lich in­te­res­san­te Kunst­ga­lerie, die Pinacoteca del Muro Dipinto, ein­rich­ten. Diese wurde auch durch eine umfangreiche Fotodokumentation er­gänzt. In der Galerie werden auch einige Wandmalereien auf­be­wahrt, die von einer Wand entfernt werden mussten, um sie vor der Zerstörung durch Wet­ter­un­billen zu retten.
Restaurant mit Aussicht
Die nächste Ausgabe der Biennale del Muro Dipinto wird im Sep­tem­ber 2019 stattfinden.