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Boccadasse

 


Jedes Mal, wenn ich nach Ge­nua komme, fiebere ich dem Augenblick entgegen, an dem ich das alte Fi­scher­dorf Bocca­dasse besuchen kann. Im Sommer ist ein semifreddo (Softeis) ein absolutes Muss. Es ist eines der Besten Genuas. Im Winter, wenn die mareggiata (stürmische See) die Wellen über den Strand peitscht, kann man sich in die Zeit zurück­ver­setzt fühlen, als dieses Genu­eser Viertel noch ein autono­mes Fischerdorf war, als Fischen noch ein gefährlicher, anstrengender Beruf war und nicht ein Zeitvertreib von alt­ein­ge­sessenen, tra­di­tions­be­wuss­ten Menschen.

Metall Poster Blechschilderplatte Blechschild Plakat ALW10796 Retro Weinlese Kunstdrucke by hamgaacaan (20x30cm)
Poster / Blechschilderplatte Kunstdrucke(20x30cm) Canzoni
Fabrizio de André

Die ligurische Metropole Genua ist zwar als Hafenstadt, aber kaum als Tou­ris­tenziel bekannt. Laden doch der Hafen und die Industrieviertel, die sich dem Durch­reisen­den präsentieren, nicht gerade zum Verweilen ein. Dabei hat diese Stadt weit mehr zu bieten: Die mittelalterliche Altstadt gilt als eine der größten Europas, eine Art Kasbah, die viel Atmosphäre und allerhand ar­chi­tek­tonische Juwele zu bieten hat; und dann die vielen wunder­vollen Ecken am Meer: den Corso Italia, Boccadasse, Capo Santa Chiara mit seiner wunder­baren Aussicht, Quarto, Quinto, Nervi.
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Die Kirche von Sant'Antonio (Boccadasse)
Boccadasse ist der Endpunkt vieler Sonntagsspaziergänge auf dem Cor­so Italia, der kilometerlangen Meeresufer­prome­nade von Genua. An der Kirche von Sant'Antonio vorbei gerät man zu einem Aus­sichts­punkt, das sich oberhalb von Boccadasse befindet, und von dem aus man die einmalige Ku­lis­se dieses Kleinen Ortes genießen kann.
Das alte Fischerdorf Boccadasse ist ein Stadtteil im Stadtteil, aber auch ein antikes, ursprünglich gebliebenes Dorf mitten in einem modernen Viertel. Sein Name soll auf die Form der kleinen Bucht zurückgehen, die wie ein Eselsmaul aussieht, was im genuesischen Dialekt „böcca d'äse“ heißt.
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Boccadasse

Die Piazzetta, die Fischerboote, der kleine Strand, die verschachtelten, über­einander getürmten kleinen Häuser Boccadasses mit ihren pastellfar­be­nen Fassaden und das pittoreske Durcheinander von schmalen Durchgängen, stei­len Treppen und handtuchschmalen Gässchen sind der perfekte Rahmen für das unvergleich­liche Panorama des Golfes bis nach Portofino. Boccadasse ist ein romantischer Ort für Verliebte.

Boccadasse ist ein Viertel, das die Genueser heiß lieben, gerade weil es in all den Jahren unverändert geblieben ist. In Boccadasse scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Es gibt keine Badeanstalten, man hört nichts vom Ver­kehr, Das Dorf scheint un­ver­ändert, mit seinen kleinen Gassen, die auf einer Seite an­steigen und über den Capo Santa Chiara hinunterführen nach Vernazzola.
Boccadasse
Blick auf Boccadasses Strand (Foto von Maurizio Frizziero)
Das alte Viertel – in dem übrigens auch Livia, die ewige Verlobte des Com­mis­sario Montalbano in den Krimis des Schriftstellers Andrea Camilleri [] wohnt – ist ein bezaubernder Ort, wo seit unzählbaren Generationen die Ge­nueser an lauen Sommerabenden oder sonnigen Wochenenden flanieren ge­hen, ihre Kinder am Strand spielen lassen, Sonneruntergänge bewundern und – das berühmte Eis der ANTICA GELA­TERIA AMEDEO essen. Eine Ge­la­teria (Eisdiele), die es seit 1927 gibt, und eine der wenigen, die in jeder Jahreszeit Eis herstellen.
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Mareggiata (Foto von Carlo Morsilli)
Boccadasse gleicht eigentlich einem Bühnenbild, das vom Rest der Stadt um­geben ist. Dennoch gibt es noch heute eine kleine Fischerflotte, die ihrem jahrhundertealten Beruf nachgeht. So kann man noch Fischer, meist alte Männer, beim Flicken der Netze beobachten, während zahlreiche Katzen in der Sonne dösen, in hoffnungsvoller Erwartung, dass einer der Fischer, be­rührt von ihrem leisen Miauen, ihnen ein kleines Fischlein zuwirft.
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Festa di Sant'Antonio (Foto von Carlo Morsilli)
Von religiösen Zeremonien bis zum Tauchen, von Wohltätig­keits­ver­an­stal­tun­gen bis zum Feuerwerk: Das alte Fischerdorf feiert jedes Jahr am 13. Juni das traditionelle Patroziniumsfest zu Ehren des heiligen Antonius von Padua.

Die Gründung von Boccadasse scheint auf spanische Fischer zurückzugehen, die durch Unwetter gezwungen waren, hier an Land zu gehen, wo sie blieben und den kleinen Hafen gründeten. Heute lebt Boccadasse kaum noch vom Firschfang, sondern auch dank der kleinen Kunstgalerien, der Eisdielen, der Restaurants und vom Besuch junger und älterer Sonnenhungriger, die sich auf seinen Felsen sonnen.
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Seltener Schnee (Foto von Carlo Morsilli)
Oberhalb des Ortes befindet sich der Kap von Santa Chiara, wo sich zwei kleine Schlösser befinden und von wo man eine herrliche Aussicht auf den Golf von Genua genießen kann mit dem Berg Portofino als eindrucksvolle Kulisse.
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Am Capo Santa Chiara
Was wohl kaum einer weiß: Der Name dieses kleinen genueser Viertels stand Pate bei der Benennung des Viertels La Boca in Buenos Aires, das größten­teils von Genuesern besiedelt wurde.
Auf den Trikots des argentinischen Fußballverein Boca Junior steht geschrie­ben zeniexes (Genueser).
Der genuesische Mundartdichter Edoardo Firpo widmete seinem geliebten Boccadasse ein paar Verse:
Sinngemäß übersetzt: „Mein Boccadasse, wenn man vom Chaos der Stadt bei dir ankommt, ist es, als würde man zurück in seine Wiege kommen, oder in die Arme seiner Mutter fallen ....."

Was geschieht, wenn die Idylle von den Kräften der Na­tur zer­stört wird, zeigt das fol­gen­de Vi­deo, wel­ches die „ma­reggiata“ (Sturm­flut) vom 29. Ok­to­ber 2018 do­ku­men­tiert.