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Olivenöl (extra vergine)

Olivenöl ist ein wesentliches Element der Mittelmeerküche, wo es als All­zweck­fett eingesetzt wird. Durch seinen hohen Rauchpunkt (natives Olivenöl 190°C, raffiniertes Olivenöl 220°C) ist es besonders gut zum Braten und Frittieren geeignet, wie es zum Beispiel in der italienischen und in der spa­nischen Küche schon immer gehandhabt wird.
Olivenöl ist aus dem Fruchtfleisch von Oliven gepresstes Pflanzenöl. Bei geringeren Qualität­stufen wird es auch aus dem Kern gepresst. 90% der Oliven werden heutzutage zu Oli­ven­öl verarbeitet..
Öl von unreifen Früchten ist viel fruchtiger und frischer im Geschmack, des­halb werden für die besseren Produkte die noch grünen Oliven geerntet. Die Ausbeute bei vollreifen Früchten ist bedeutend höher, die resultierende Qua­lität aber geringer. Je länger die Oliven auf dem Baum reifen, desto höher wird der Säurewert.

Eine weitere Möglichkeit, auf die Qualität des Öls einzuwirken, ist der Ern­te­prozess. Der Bauer könnte darauf warten, dass die reifen Früchte zu Boden fallen und das Einfahren der Ernte dadurch viel einfacher wird. Wenn er aber ein qualitativ besseres Öl produzieren will, muss er den viel teu­reren Weg des Pflückens einschlagen. Dadurch bleiben die Früchte eher un­beschädigt (mit intakter Haut). Denn sobald die Haut der Olive verletzt wird, beginnen schäd­liche Oxidations- und Fermentationsprozesse.
Es sind in jüngerer Zeit zwar Pflückmaschinen entwickelt worden, die Ver­letzungsgefahr für die Oliven ist jedoch immer noch gross geblieben.

Überreife Früchte ergeben ein dünnes, kraftloses Öl ohne die sehr geschätzte Früchtigkeit und Schärfe. Dazu kommt, dass das Herabfallen der Oli­ven durch ein Enzym gesteuert wird, welches sich negativ auf die Haltbarkeit des Oli­venöls auswirkt. Das ist ein weiterer Grund, das für das Pflücken spricht.

Wenn die Oliven geerntet sind, werden sie in der Mühle (ital. frantoio) zu einer Paste zermahlen (auch die Kerne, die einen wertvollen Konser­vier­ungs­stoff enthalten) und anschliessend wird der Saft in der Zentrifuge separiert, d.h. das bittere Fruchtwasser und das Olivenöl werden getrennt.

Heutzutage wird bei keiner der gängigen Pressarten in irgendeiner Form Hitze zugeführt. Es handelt sich also immer um kaltgepresstes Öl.
Als die Pressen noch mit Hand- oder Tierkraft bedient wurden, musste der Brei oft bis zu dreimal gepresst werden, um das Öl zu gewinnen. Für die zwei­ten und dritten Pressungen goss man heißes Wasser über den Brei, um die Restgewinnung von Olivenöl möglich zu machen.
Da "Extra Vergine" Olivenöle immer nur ein mal gepresst werden, ist der Ausdruck "aus erster Pressung" ein Unsinn und sollte den Konsumenten eher zur Vorsicht mahnen.
Je höher die Temperatur ist, desto mehr Öl kann gewonnen werden, aber es gehen dabei viele wertvolle Geschmacks- und Inhaltsstoffe verloren. Ein Wärmebereich von ca. 27 °C als ideal, Seit dem der Begriff kaltgepresst im Gesetz verankert ist, darf die Temperatur nicht mehr als 27°C betragen.

Wichtig ist, dass beim Pressevorgang die Oxidations- und Fermenta­tions­pro­zesse so gering wie möglich gehalten werden. Es soll so wenig Sauerstoff wie möglich an die gemahlenen Oliven gelangen. Die modernen Pressen erlauben es heute, diese Vorgänge nahezu ohne Sauerstoff-Kontakt durchzuführen. Mit den "traditionellen" alten Mahlsteinen war das nicht möglich. Nicht immer er­geben "traditionelle" Methoden die besten Ergebnisse (in diesem Fall Spit­z­en­öle).

Qualitätsdefinitionen
Nach Verordnung der EU gibt es insgesamt neun Qualitätskategorien. Für den Verbraucher sind die Güteklassen 1), 2) und 6) relevant:
Die Feststellung der sensorischen Eigenschaften nativer Olivenöle ist eine wichtige Ergänzung der chemischen Analyse. Die sensorische Bewertung er­folgt nach einem Punktschema, bei dem die besten nativen Olivenöle Werte von 6,5 bis 9 Punkt erreichen. Native Olivenöle extra zeichnen sich vor allem durch eine ausgeprägte Fruchtigkeit und völlige Fehlerfreiheit aus.
1) Olio d'oliva extra vergine (Natives Olivenöl Extra)
Die höchste Güteklasse. Das Öl wird direkt aus Oliven in (erster) Pressung ausschließlich mit mechanischen Mitteln (kalt) gepresst. Der Anteil an freien Fettsäuren, berechnet als Ölsäure, darf 0,8 g pro 100 g Öl nicht über­schrei­ten. Geschmack, Geruch und Farbe müssen erlesen und einwandfrei sein.
Das Öl zeichnet sich durch eine große Geschmacksvielfalt aus. Sensorische Qualität größer/gleich 6,5.

2) Olio d'oliva vergine (Natives Olivenöl)
Dieses Öl wird ebenfalls direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen. Sein Anteil an freien Fettsäuren darf allerdings bis zu 2 g je 100 g Öl betragen. Diese Güteklasse verfügt ebenfalls über einen guten Geschmack, verzeiht aber leichte geschmackliche Abweichungen. Sensorische Qualität ist größer/gleich 5,5.

3) Olio di oliva vergine corrente (Gewöhnliches natives Olivenöl)
Sensorische Qualität größer/gleich 3,5. Der Anteil an freien Fettsäuren darf 3,3 g pro 100 g Öl nicht über­schrei­ten.
4) Olio di oliva lampante (Lampantöl)
Der Anteil an freien Fettsäuren überschreitet 3,3 g pro 100 g Öl. Die sen­so­ri­sche Qualität ist kleiner als 3,5. Das Öl ist deutlich fehlerhaft, nicht für den Verzehr geeignet und muss raffiniert werden.
5) Olio di oliva raffinato (Raffiniertes Olivenöl)
weist als Vollraffinat keinen typischen Olivenölgeschmack mehr auf. Wird nur für Mischungen verwendet. Olivenöl darf maximal 0,5 g Fettsäuren pro 100 g Öl enthalten.

6) Olio d'oliva (Olivenöl)
Es wird zunächst wie natives Olivenöl hergestellt. Entspricht das gepresste Olivenöl jedoch nicht den Anforderungen für native Olivenöle, wird es wie viele andere Pflanzenöle raffiniert und zur geschmacklichen Verbesserung wieder mit nativem Olivenöl vermengt. Es handelt sich also um beliebige Mischungen von raffiniertem Olivenöl mit nativem Olivenöl.
Olivenöl darf maximal 1,5 g Fettsäuren pro 100 g Öl enthalten.

7), 8) und 9), sogenannte Oliventresteröle (Olio di sansa). Sie werden aus dem Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung der Oliven übrig bleibt, mit Hilfe von Lösungsmitteln gewonnen.
Es handelt sich um Öle minderer Qualität, die so in Deutschland nicht in den Handel kommen. Sie können aber durchaus in die Lebensmittelproduktion gelangen, da es sich um zwar minderwertige aber verzehrsfähige Produkte handelt. Vor allem in Antipasti, Brot und Pizzen kommen sie auf den Teller. Laut Untersuchungen sind sie oft mit Krebs erregenden Substanzen verun­reinigt.
Unteruschung
Laut Untersuchungen der Stiftung Warentest im 2005 und 2006 sind ein Drittel aller Öle der ersten Güteklasse fälschlicherweise als solche deklariert worden. Sie wurden als mangelhaft eingestuft. Zum Teil wurden erhöhte Verarbei­tungs­tem­pe­raturen nachgewiesen oder auch Schadstoffe wie der Weich­ma­cher DEHP und auch Butylbenzylphthalate in erhöhten Konzen­tra­tionen. Eines der getesteten Öle müsste sogar die Bezeichnung Lampantöl tragen, da es sehr deutliche Fehler aufweist und zum Verzehr nicht geeignet ist. Auch bei diesem Test wurden, ausgerechnet bei einem Bioprodukt, Weichmacher nachgewiesen.
 
Oliven
Die Olive ist die Frucht des Oli­ven­baums bzw. Ölbaums.
Die Olive ist eine mediterrane Stein­frucht. Sie ist roh (wegen ihrer Bit­ter­keit) nicht genieß­bar, aber nach mehr­maligem Ein­legen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe aus der Frucht ge­schwemmt werden, essbar.
Echte Schwarze Oliven sind voll aus­gereifte grüne (olivgrüne) Oliven, teil­weise gelangen aber auch mit Eisen­glu­conat schwarz gefärbte Oliven in den Handel.
Wie bei den Trauben sind auch bei den Oliven mehrere tau­send verschiedene Sor­ten und Untertypen bekannt. Nur um einige in Italien vor­kommen­den Sorten zu nennen: Arancino, Barese Dolce, Ceri­gnola, Ciliegino, Coratina, Cucco, Cuoricino della Ma­don­na, Grappolo, Pendolino, Rosino, Selvatica.

Weiterführende Information in den Büchern:
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Das große Buch
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