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Das Spaghetti-Bolognese-Missverständnis

Ich spreche hier nicht von der Wortschöpfung "Spaghetti Bolognese" oder gar von ihrer französischen Variante "Spaghetti bolognaise" (korrekt wäre "spa­ghetti alla bolognese"). Nein, das ist nicht schlimmer, als wenn man Chianti "Tschanti" auspricht. Ich wundere mich aber, dass es niemandem aufgefallen ist, dass keine dieser Bezeichnungen jemals auf einer italie­nischen Speise­karte (in Italien) auftaucht.

Es gibt, in anderen Worten, in Italien kein Gericht, das spaghetti alla bolo­gnese heißt.
Bolognese
Es gibt wohl ein ragù alla bolognese, eine der weltweit bekanntesten ita­lie­nischen Soßen, dessen Rezept sogar von der Accademia Italiana della Cucina und der Confraternita del Tortellino bei der Handelskammer von Bologna hinterlegt wurde.
Nur schade, dass dieses ragù im Ausland meistens zu Spaghetti gereicht wird, welche mit aller Wahrscheinlichkeit die einzige Nudelart ist, die in Bologna niemals mit ragù serviert wird.

Der ragù alla bolognese wird dort nämlich traditionell mit Tagliatelle oder (zusammen mit Bechamelle-Soße) bei der Zubereitung der Lasagne ver­wendet.

Ragù bolognese (traditionelles Rezept)

Zutaten für 12 Portionen

Frühstücksspeck - 80 g
Schweinelende gehackt (faschiert) - 200 g
Rindfleisch gehackt (faschiert) - 200 g
Roher Schinken, eine Scheibe
Salsiccia (Italienische Bratwurst) - 120 g
Zwei kleine Zwiebeln
1 Karotte
1 Stange Stangensellerie
Geschälte Tomaten 400 g
Rotwein - 250 ml
Gemüsebrühe - 200 ml.
Olivenöl xtravergine - 4 EL
Butter - 70 g
Salz, Pfeffer

Zubereitung

Das Innere der salsiccia zerbröseln, den Schinken hacken, die geschälten Tomaten passieren.
Zwiebeln, Karotte, Sellerie und Frühstücksspeck hacken. In einer Kasserolle mit 2 EL Öl und 30 g Butter anschwitzen lassen. Anschließend die salsiccia hinzufügen, den Schinken und das Hackfleisch (Faschierte). Alles wenige Minuten bei hoher Temperatur anbraten, dann den Rotwein hinzufügen, denn man verdünsten lässt. Erst jetzt die Tomaten und die Gemüsebrühe hinzu­fügen. Die Temperatur auf eine kleinere Stufe herunterschalten. Salzen, pfeffern.
Das ragù zugedeckt ca. 3 Stunden köcheln lassen, gelegentlich umrühren.

Es ist zwar nicht im Originalrezept festgehalten, aber die Beigabe von so­ge­nannten sapori (wie Lorbeerblätter und Rosmarin) können dem ragù den allerletzten Pfiff geben.
Mann kann das Rezept zwar vereinfachen, in dem man nur Hackfleisch (Fa­schiertes) verwendet, wenn man aber mit einer guten Köchin aus Bologna spricht, wird man von ihr erfahren, dass ein ragù desto besser wird, je größer die Vielfalt der dabei verwendeten Fleischsorten ist.
Auf dem kulinarischen Gebiet hat Bologna allerdings einiges mehr zu bieten als nur diese weltbekannte Soße und trägt daher den Beinamen "la grassa", die Fette. Bologna liegt im Zentrum der anerkannten Feinschmeckerregion Emilia-Romagna und ist allein schon wegen ihres großen kulinarischen Angebotes einen Besuch wert.
Wussten Sie zum Beispiel, dass die Tortellini eine bologneser Erfindung sind? Dass die Tagliatelle aus der Emilia stammen? Guten Appetit!
 
Ragù
Das Wort ragù ist ein Wort fran­zö­sischen Ursprungs (ragôut, Sub­stantiv, von ragoûter, Verb, - den Appetit wecken) mit dem im Allge­mei­nen eine aus Tomaten und Hackfleisch zubereitete Soße ge­meint ist.

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